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Ein Lederdeckel für das Carl Zeiss Jena Tessar 25 cm f/3,5

Vor einer Woche ist mir ein Carl Zeiss Jena Tessar 25 cm f/3,5 zugelaufen – angesichts seines Zustands und der selteneren lichtstarken Ausführung erfreulich günstig. Die Gläser sind klar, und alles funktioniert tadellos. Ein guter Anlass, ihm einen passenden Objektivdeckel aus echtem Leder anzufertigen: meinen sechsten in diesem Jahr.

Zunächst aber zum Objektiv selbst. Das Tessar mit der Seriennummer 870975 lässt sich ungefähr auf 1928 datieren und ist damit fast hundert Jahre alt. Eine Besonderheit ist der Schriftzug „GERMANY“ auf seinem originalen Flansch. An dieser Stelle war mir eine solche Kennzeichnung bei einem deutschen Objektiv aus dieser Zeit bisher noch nicht begegnet.

Mein erster Gedanke war, dass es für den Export bestimmt gewesen sein könnte. Die englische Herkunftsangabe spricht dafür; beispielsweise konnte „GERMANY“ bei der Einfuhr in die USA als Kennzeichnung ausreichen, auch ohne den Zusatz „Made in“. Vielleicht wurde dieses Tessar einmal nach Amerika verkauft und kehrte irgendwann nach Deutschland zurück. Eine interessante Vorstellung, belegen lässt sich dieser Weg durch den Schriftzug allein allerdings nicht.

Auf dem Vergleichsfoto steht das 25er rechts neben seinem älteren Bruder, dem Tessar 30 cm f/3,5 mit der Seriennummer 276304. Dieses stammt ungefähr aus der Zeit um 1914/15. Beide Ausführungen sind heute selten anzutreffen, das 30er nach meinem bisherigen Eindruck noch seltener.

Für seine Größe ist das kleinere Tessar erstaunlich schwer. Ohne Flansch wiegt es 1.425 Gramm, bei einer Tubuslänge von 8,2 cm und einem vorne gemessenen Durchmesser von 8,4 cm. Beim 30er sind es 2.170 Gramm, 11,5 cm Länge und 10,6 cm Frontdurchmesser.

Aus Neugier habe ich einmal ausgerechnet, wie viel Gewicht bei beiden Objektiven auf denselben Platz entfällt. Dafür habe ich ihre Tuben vereinfacht als Zylinder betrachtet. Aus Länge und Durchmesser ergibt sich beim 25er ein Außenvolumen von ungefähr 454 cm³, beim 30er sind es rund 1.015 cm³. Um die unterschiedlich großen Objektive miteinander vergleichen zu können, habe ich ihr Gewicht jeweils auf 100 cm³ umgerechnet: Beim 25er kommen auf diesen Raum etwa 314 Gramm, beim 30er etwa 214 Gramm.

Bei gleichem Platzbedarf bringt das 25er also ungefähr 100 Gramm mehr mit. Diese zusätzlichen 100 Gramm entsprechen knapp der Hälfte der 214 Gramm des größeren Tessars – genauer gesagt rund 47 Prozent. Das bedeutet: Das 25er ist insgesamt zwar leichter, enthält aber im Verhältnis zu seiner äußeren Größe deutlich mehr Gewicht. Das ist natürlich keine Bestimmung der tatsächlichen Materialdichte, beschreibt aber gut, wie kompakt und schwer es in der Hand wirkt.

Für den neuen Deckel habe ich diesmal Lederreste aus der Möbelherstellung verwendet. Außen besteht der Bezug aus schwarzem Rindsleder. Es ist relativ dünn, lässt sich aber etwas schwieriger verarbeiten als sehr dünnes Buchbinderleder. Für die Innenauskleidung habe ich ein grünes Rauleder mit angenehm samtiger Oberfläche gewählt. Die Kombination aus Schwarz und diesem gedeckten Grün gefällt mir auch gut.

Da ich immer wieder unterschiedliche Lederreste verwende und selbst kein Profi bin, wird jeder Deckel zu einer kleinen handwerklichen Herausforderung. Besonders wichtig ist die richtige Passform, und die muss bereits beim Aufbau des Kartonkörpers berücksichtigt werden.

Dafür lege ich zunächst mehrere Kartonstreifen übereinander um den Objektivtubus. In diesem Fall waren es drei Lagen mit einer Gesamtdicke von 4,2 mm. Zusammen bilden sie einen provisorischen Abstandsring. Darüber forme und verklebe ich den eigentlichen Kartonring, der später den Lederbezug trägt. Die Abstandslagen werden nicht mitverklebt und nach Fertigstellung des Deckelrohlings wieder entfernt. So bleibt zwischen Tubus und Deckel genügend Raum für das nach innen umgeschlagene Leder beziehungsweise die Innenauskleidung sowie etwas Spiel zum Auf- und Absetzen.

Wie stark dieser Abstandsring sein muss, hängt vom Material an der Innenseite des Deckelrands ab. Rauleder oder Baumwollsamt können mehr Platz beanspruchen als eine dünne selbstklebende Veloursfolie. Deshalb muss ich diese Zugabe bei jedem Deckel neu abstimmen. Schon ein kleiner Unterschied in der Materialstärke kann entscheiden, ob der fertige Deckel angenehm gleitet oder zu stramm sitzt.

Am Ende soll er sicher sitzen und lichtdicht abschließen, sich aber leicht und ohne Ruck abnehmen lassen. Bei meinen Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten übernimmt der Deckel auch die Aufgabe eines Verschlusses. Muss ich kräftig daran ziehen, kann ich die Kamera oder die Objektivstandarte ungewollt verschieben und dadurch die zuvor eingestellte Schärfe verändern.

Carl Zeiss Jena Tessar 25 cm f/3,5 mit originalem Flansch und dem Schriftzug GERMANY.
Nahaufnahme der Blendenskala und des Schriftzugs GERMANY auf dem Flansch.
Tessar 25 cm f/3,5 neben dem Lederdeckel mit grüner Rauleder-Innenauskleidung.
Tessar 25 cm f/3,5 mit aufgesetztem schwarzem Lederdeckel.
Vergleich: Tessar 30 cm f/3,5 links und Tessar 25 cm f/3,5 rechts.
Schwarzes Rindsleder, grünes Rauleder und der innen ausgekleidete Objektivdeckel.
Die beiden Tessare im Größenvergleich, das 30-cm-Objektiv links und das 25-cm-Objektiv rechts.